18.
Juni 2003
Zum Schacht/ Schachthalle
66287 Göttelborn
Das Festival Schicht-Wechsel 03 präsentiert ein außergewöhnliches
Kinoprogramm.
An einem spektakulären Ort, in der Schachthalle des stillgelegten
Bergwerks in Göttelborn, erwarten die Besucher fast vier Stunden
cineastischer und musikalischer Unterhaltung.
Wo noch bis vor wenigen Jahren täglich zahllose saarländische
Bergleute zur Seilfahrt antraten, werden in dieser Nacht zwei Filme
aus der amerikanischen Lebens- und Arbeitswelt gezeigt.
(Begleitprogramm
der "Union der festen Hand" in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale
für politische Bildung)
Um 22.00 Uhr
beginnt die Kinonacht mit dem Dokumentarfilm
"Roger
& Me"
von Michael Moore, der kürzlich mit "Bowling for
Columbine" für Leinwandfurore gesorgt hat.
Nach einer kurzen Pause folgt
ca.
24 Uhr
Curtis Hansons' Sozialdrama
"8 Mile", die große Eminem-Show
auf Zelluloid.
Roger & Me USA 1989, 90 Min.,
OmU Mit Roger Smith, Ronald Reagan, Miss America, Pat Boone, Michael
Moore
Regie: Michael Moore
Mit "Roger & Me" begann vor etwa 15 Jahren die Karriere
des amerikanischen Dokumentarfilmers Michael Moore, die inzwischen
mit einem Oscar gekrönt wurde. Dieser Erfolg war damals nicht
unbedingt abzusehen, denn Moores Filmdebüt hatte vor allem mit
der Verarbeitung der eigenen Lebensgeschichte zu tun. Moore stammt
aus einer Familie von Autoarbeitern, die schon seit undenklichen Jahren
bei General Motors ihr Brot verdient haben. Denn Flint in Michigan
ist nicht nur die Heimat Moores, sondern auch die des (damals) weltgrößten
Automobilherstellers GM. Der baut in den achtziger Jahren zehntausende
von amerikanischen Arbeitsplätzen ab, weil das Unternehmen im
benachbarten Mexiko viel billiger produzieren und entsprechend besser
verdienen kann. Die Kehrseite der Sharholder-value-Strategie bekommen
die Menschen in Flint richtig zu spüren. Das ehemalige industrielle
Zentrum in Michigan erlebt einen beispielslosen wirtschaftlichen und
sozialen Niedergang. Michael Moore, der selbst genau einen Tag bei
GM gearbeitet hatte, begibt sich nun mit Kamera und Mikrofon auf die
Suche nach dem Schuldigen für die unglaubliche Misere. Seine
hartnäckigen Versuche, ein Interview von Roger Smith, dem Chef
von GM zu bekommen, gleicht einer Odyssee durch eine ebenso traurige
wie grotesk-komische Welt. Moore meistert seine Aufgabe mit viel Witz
und schwarzem Humor und so ist es gar nicht so tragisch, dass "Roger
and Me" bis heute nicht zusammenkamen.
8
Mile USA 2002, 111 Min.
Mit Eminem, Kim Basinger, Brittany Murphy
Regie: Curtis Hanson
Die Geschichte des Hip Hop war lange Zeit eine zutiefst schwarze Geschichte.
Sie begann in den siebziger Jahren in den Ghettos von New York, wo
sich schwarze Jugendliche in agressiven Wortduellen soziale Anerkennung
suchten. Auch nach dem kometenhaften Aufstieg des weißen Rappers
Eminem ist Hip Hop eine Domäne der black people geblieben. Der
weltweite Siegeszug von Eminems Wortkaskaden hat aber gezeigt, dass
die einstige Subkultur inzwischen Rassen- und Klassengrenzen überschritten
hat. Damit war sie reif fürs Kino. Der Film 8 Mile erzählt
die Geschichte des weißen Rappers Jimmy Smith jr., der mit seiner
alkoholkranken Mutter in einem Vorort von Detroit lebt. Neben der
heruntergekommenen Wohnwagensiedlung verläuft die "8 mile-Road",
eine Art Demakartionslinie, die das schwarze Zentrum Detroits von
den weißen Suburbs trennt. Das häusliche Umfeld der Smith'
erscheint genauso trostlos wie das Gesamtbild der Stadt, das von Arbeitslosigkeit,
Gewalt und Rassismus geprägt ist. Jimmy, der tagsüber an
der Stanzmaschine einer Automobilfabrik jobbt, träumt vom sozialen
Aufstieg. Den Ausweg aus der Misere soll ausgerechnet eine Karriere
als Rapper bringen. Ein harter Weg für einen jungen Weißen,
der bei seinen ersten Duellen vor schwarzem Publikum kein einziges
Wort herausbringt. Dass er es schließlich doch noch schafft,
als umjubelter Sieger auf der Bühne eines Hip Hop-Clubs zu stehen,
klingt zunächst wie ein filmisches Märchen. Wäre da
nicht die Geschichte des Sängers Eminem, der lange vor seinem
Filmdebüt bewiesen hat, wie man mit der Sprache der Schwarzen
ungeahnte Erfolge feiern.